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DGK-Jahrestagung 2026: Neue Daten, klare Botschaft – rechtzeitig kombinieren, Zielwerte konsequent erreichen

Eines der drängendsten Probleme der kardiovaskulären Medizin in Deutschland bleibt die Versorgungslücke im Lipidmanagement, die aus diesem Grund eines der Fokusthemen auf der 92. DGK-Jahrestagung in Mannheim war. Zwei Satellitensymposien von Daiichi Sankyo wiesen auf das Potenzial bereits vorhandener Lösungsansätze hin.



Lipidmanagement in Deutschland: Eine Versorgungslücke mit Folgen

In Deutschland liegen die Ausgaben für Gesundheit über dem europäischen Durchschnitt – die Lebenserwartung bleibt jedoch darunter.1 Eine wesentliche Ursache kann darin liegen, dass modifizierbare Risikofaktoren häufig zu spät oder inkonsequent adressiert werden, insbesondere im Lipidmanagement. Dies zeigt sich unter anderem in den Baseline-Charakteristiken der eingeschlossenen Patient:innen mit hohem oder sehr hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in der SANTORINI-Studie: Lediglich 20 % von ihnen hatten zuvor ihre LDL-Cholesterin (LDL-C)-Zielwerte erreicht.2 Genau diese Versorgungslücke stand im Mittelpunkt zweier Satellitensymposien von Daiichi Sankyo auf der 92. DGK-Jahrestagung in Mannheim – mit einem klaren Tenor: Die Werkzeuge, um sie zu schließen, sind bereits vorhanden.

Der Plaque als eigentlicher Risikoträger: Was moderne Bildgebung sichtbar macht

PD Dr. Philipp Breitbart (CCB Medizinisches Versorgungszentrum Frankfurt am Main) machte deutlich, dass die Plaquelast den eigentlichen kardiovaskulären Risikofaktor darstellt: Eine Reduktion des koronaren Plaquevolumens um 1 % geht mit einer Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) um 20 % einher.3,4 Das Fazit des Experten: „Zwischen LDL-C und dem Tod steht der Plaque.“ Das Gesamtplaquevolumen und die nicht-kalzifizierte Plaquelast erweisen sich dabei als dem Stenosegrad überlegene Prädiktoren für MACE-Langzeitergebnisse.5,6 Wie Breitbart berichtete, quantifiziere die klassische Koronarangiographie jedoch lediglich den Stenosierungsgrad und gebe dabei keinen Aufschluss über die tatsächliche Plaquelast oder -zusammensetzung.

Die Koronar-CT-Angiographie (CCTA) hingegen habe das Potenzial, einerseits Plaques genau zu charakterisieren und andererseits Patient:innen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. „Dieser Vorteil wird in der Praxis oft unterschätzt“, resümierte Breitbart. In einer randomisierten Studie erreichten jene Patient:innen, die anhand ihres CCTA-Befundes beraten wurden, nach sechs Monaten signifikant häufiger empfohlene Lebensstilziele als diejenigen mit reiner Risikoscore-Beratung (17 % vs. 6 %; OR 3,42; 95 %-KI 1,63–6,94).7 „Das eigene Bild wirkt offenbar stärker als abstrakte Risikokalkulationen.“, so Breitbart.

Die Bedeutung von LDL-C für das kardiovaskuläre Risiko erläuterte Prof. Dr. Ingo Hilgendorf (Charité Berlin). Er betonte in seinem Vortrag, dass LDL-C kein bloßer Risikofaktor ist, sondern kausal für die Entstehung von Atherosklerose. Das Konzept der „Cholesterinjahre" veranschauliche dies: Die kumulative LDL-C-Exposition über die Lebensspanne bestimmt die Plaquelast und damit das Risiko für einen Myokardinfarkt überproportional.8 „Wer früh und dauerhaft therapiert, wirkt diesem Prozess aktiv entgegen.“, so der Experte.

Das ESC/EAS Focused Update 2025 der Dyslipidämie-Leitlinie trage dieser Evidenz Rechnung und rückt bei Patient:innen mit akutem Koronarsyndrom (ACS) von der schrittweisen Eskalation ab.9Stattdessen empfiehlt die Leitlinie nun die frühe Kombination aus Statinen und Nicht-Statin-Therapien mit nachgewiesenem kardiovaskulären Nutzen.9 Wie dringend dieser sektorenübergreifende Kurswechsel nötig ist, zeigt eine aktuelle Analyse des deutschen Projekts LipidSnapshot, laut der 26,6 % der Patient:innen trotz gesicherter Diagnose einer atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD)  in der allgemeinmedizinischen Versorgung keinerlei lipidsenkende Therapie erhielten, wohingegen der entsprechende Anteil unter der Behandlung durch Kardiolog:innen lediglich 1,3 % betrug.10


Literatur:

  1. Jasilionis D et al. Eur J Epidemiol 2023; 38:839–850.
  2. Ray KK et al. Eur J Prev Cardiol 2024; 31:1792–1803.
  3. Dawson LP et al. J Am Coll Cardiol 2022; 79:66–82.
  4. Bhindi R et al. Atherosclerosis 2019; 284:194–201.
  5. Karády J et al. JAMA Cardiol 2026; 11:259.
  6. Jukema RA et al. Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2026; 27:696–703.
  7. McDermott M et al. JAMA Cardiol 2025; 10:841.
  8. Ference BA et al. J Am Coll Cardiol 2018; 72:1141–1156.
  9. Mach F et al. Eur Heart J 2025; 46:4359–4378.
  10. Weingärtner O et al. Clin Res Cardiol 2026; 115:322–334.

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