Das Bild zeigt mehrere Arme in weißen Kitteln, deren Hände mit farbigen Handschuhen zu Fäusten geballt sind. Die Fäuste berühren sich kreisförmig und lassen in der Mitte eine freie Fläche in Form eines Herzens.

DGK zeichnet mit Unterstützung von Daiichi Sankyo herausragende Lipidforschung aus

Familiäre Hypercholesterinämie im Kindesalter erkennen, Statin-Unverträglichkeiten systematisch erfassen, Therapielücken aufdecken: Der Forschungspreis für klinische Lipidforschung 2026 zeichnet Forschungsarbeiten aus, die genau dort ansetzen, wo die Versorgung am dringendsten verbessert werden muss.



Cholesterin und kardiovaskuläres Risiko – eine weiterhin unterschätzte Verbindung

Obwohl LDL-Cholesterin (LDL-C) zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen zählt und ein breites Spektrum von Therapieoptionen zur Verfügung steht, erreicht in Europa die überwiegende Mehrheit der Patient:innen mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulären Risiko die empfohlenen LDL-C-Zielwerte nicht.1 Besonders herausfordernd ist die Situation bei familiärer Hypercholesterinämie (FH), die deutlich häufiger vorkommt als lange angenommen und oftmals bis ins Erwachsenenalter asymptomatisch bleibt.2 Hinzu kommen Statin-Unverträglichkeiten als relevante Behandlungsbarriere, die in der Praxis zu Therapieabbrüchen oder einer zu niedrigen Dosierung führen können.3 Um diese Versorgungslücken zu adressieren, rücken wissenschaftliche Bemühungen Prävention und Diagnostik in den Fokus, was auch im Rahmen des Forschungspreises für klinische Lipidforschung sichtbar wird.

Bereits zum sechsten Mal: Forschungspreis für klinische Lipidforschung

Bereits zum sechsten Mal hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gemeinsam mit Daiichi Sankyo den Forschungspreis für klinische Lipidforschung vergeben. Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Hauptpreis würdigt unabhängige, wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Prävention, Diagnostik und Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. In diesem Jahr ehrte das Kuratorium gleich zwei Hauptpreisträgerinnen: Dr. Veronika Sanin (Funktionsoberärztin, Lipidologin (DGFF) und Präventionsmedizinerin, Deutsches Herzzentrum München) für Ihre Leistungen im Rahmen der VRONI-Studie sowie Dr. Paulina Stürzebecher (Assistenzärztin der Klinik und Poliklinik für Kardiologie des Universitätsklinikums Leipzig) für Ihre Arbeit am Statin-Intoleranz-Register.

Die VRONI-Studie ist ein bevölkerungsbasiertes Screeningprogramm mit dem Ziel, familiäre Hypercholesterinämie (FH) frühzeitig im Kindesalter zu identifizieren. Da die FH häufig bis ins Erwachsenenalter asymptomatisch bleibt, ist eine frühe Diagnose entscheidend, um das kardiovaskuläre Risiko langfristig zu senken. Über ein systematisches Kaskadenscreening sollen zudem weitere betroffene Familienmitglieder erfasst werden.2

„In Bayern haben wir gezeigt, dass ein flächendeckendes FH-Screening im Kindesalter funktioniert. Von über 40.000 gescreenten Kindern haben wir 465 mit pathogenen Mutationen identifiziert – und das ist erst der Anfang.“

— Dr. Veronika Sanin

Das Statin-Intoleranz-Register ist eine prospektive, multizentrische Studie, die zwischen 2021 und 2023 über 1.100 Patient:innen mit Unverträglichkeit gegenüber mindestens zwei verschiedenen Statinen in Deutschland eingeschlossen hat. Die Ein-Jahres-Follow-up-Daten (1.032 Studienteilnehmende) zeigen, dass rund 39 % der Betroffenen von anhaltenden Muskelschmerzen berichten. Persistierender Schmerz war dabei mit einer erhöhten Abbruchrate der lipidsenkenden Therapie verbunden. Außerdem zeigen die Daten, dass drei von vier Patient:innen ihren LDL-C-Zielwert verfehlten.3

„Das Register macht sichtbar, wie komplex die Versorgung dieser Patient:innen im Alltag wirklich ist. Trotz aktiver Therapieanpassung bleibt die Zielerreichung oftmals weit hinter dem zurück, was leitliniengerecht wäre. “

— Dr. Paulina Stürzebecher

Nachwuchs fördern, Versorgungsforschung stärken

Prof. Dr. Oliver Weingärtner, DGK-Kuratoriumsmitglied, kommentiert die diesjährige Preisvergabe: „Wir freuen uns sehr, den Forschungspreis in diesem Jahr an zwei Wissenschaftlerinnen vergeben zu können. Die Entscheidung des Kuratoriums war bewusst: Beide Arbeiten zeigen mit methodischer Konsequenz, wo zentrale Lücken in unserer Versorgung liegen. Gerade im Bereich der Registerdaten und Versorgungsforschung besteht noch erheblicher Nachholbedarf, und genau dort setzen beide Arbeiten wirkungsvoll an.“


Literatur:

  1. Ray KK et al. Eur J Prev Cardiol 2024; 31(17):1792–1803.
  2. Sanin V, Schunkert H. MMW Fortschr Med 2025; 167(4):56–59.
  3. Stürzebecher PE et al. Eur J Prev Cardiol 2025; zwaf619.

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