Hohe Risiken, unterschiedliche Profile: Für welche Patient:innengruppen eine konsequente LDL-C-Senkung entscheidend ist
Patient:innen mit chronischem Koronarsyndrom, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus oder nach akutem Koronarsyndrom zählen zu den Hochrisikokollektiven der kardiovaskulären Prävention. Die aktualisierte ESC-Leitlinie betont die Bedeutung einer frühzeitigen und wirksamen LDL-C-Senkung – doch die therapeutischen Herausforderungen unterscheiden sich je nach klinischem Profil.
In diesem Artikel zum leitliniengerechten Lipidmanagement für besonders vulnerable Risikogruppen erfahren Sie mehr über:
- die Heterogenität unter Patient:innen mit hohem bzw. sehr hohem kardiovaskulärem Risiko
- spezielle Herausforderungen in der Lipidsenkung bei Patient:innen mit chronischem Koronarsyndrom
- die Therapiesituation bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit
- besonders geeignete Therapieoptionen für Diabetes mellitus Patient:innen
- die schnelle und adäquate LDL-C-Senkung nach akutem Koronarsyndrom
- den gemeinsamen Nenner dieser Patient:innengruppen
Kardiovaskuläre Hochrisikopatient:innen sind keine homogene Gruppe
LDL-C ist der zentrale kausale Treiber atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Entsprechend klar definieren die aktuellen ESC/EAS-Leitlinien zur Dyslipidämie (Focused Update 2025) risikoadaptierte LDL-C-Zielwerte für Patient:innen mit hohem und sehr hohem kardiovaskulärem Risiko.1 Doch jenseits dieser gemeinsamen pathophysiologischen Grundlage zeigt sich im klinischen Alltag ein differenziertes Bild: Kardiovaskuläre Hochrisikopatient:innen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Vorbehandlung, Komorbiditäten und Ereignisnähe – mit unmittelbaren Konsequenzen für das Lipidmanagement. Gerade deshalb rücken konkrete Subgruppen stärker in den Fokus: Patient:innen mit chronischem Koronarsyndrom, mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, mit Diabetes mellitus Typ 2 oder nach akutem Koronarsyndrom.
Chronisches Koronarsyndrom: LDL-C-Zielwert trotz etablierter Therapie häufig verfehlt
Patient:innen mit chronischem Koronarsyndrom (CCS) bzw. einer stabilen koronaren Herzkrankheit (KHK) zählen zur Gruppe mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko.1,2 Für sie gilt ein LDL-C-Zielwert von < 55 mg/dl (1,4 mmol/l) bei gleichzeitig empfohlener Reduktion um mindestens 50 % gegenüber dem LDL-C-Ausgangswert.1 Das Erreichen und Halten niedriger LDL-C-Werte kann dabei nicht nur das Wachstum atherosklerotischer Plaques stoppen und sogar zu einer Plaqueregression führen3, sondern auch die fibröse Kappe der Plaques verdicken, die fibrösen Plaquebestandteile erhöhen und dadurch das Risiko für einen akuten Koronargefäßverschluss infolge akuter Plaqueruptur reduzieren.4
In der Praxis sind viele dieser Patient:innen bereits mit Statinen und häufig auch mit Ezetimib behandelt, wobei die Statintherapie in vielen Fällen wenig intensiv ist: Rosuvastatin oder Atorvastatin werden oftmals nicht oder in zu geringer Dosierung eingesetzt. Häufig bleibt die LDL-C-Zielwerterreichung aus – sei es aufgrund hoher Ausgangswerte, limitierender Nebenwirkungen oder unzureichender Therapietreue unter komplexen Therapieschemata: Auswertungen des Disease Management Programms (DMP) zu KHK zeigen, dass ein relevanter Anteil der Patient:innen dauerhaft oberhalb der empfohlenen LDL-C-Zielwerte verbleibt.5
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Literatur:
- Mach F et al. Eur Heart J. 2025; 46(42):4359-4378.
- Vrints C et al. Eur Heart J. 2024; 45:3415–3537.
- Dawson LP et al. J Am Coll Cardiol. 2022; 79(1):66-82.
- Berufsverband Interventioneller Kardiologen. Integratives Plaquemanagement. Von der Intervention zur Prävention: Optimierung des Lipidmanagements. Verfügbar unter: https://www.bikardio.de/images/Therapieempfehlung_2025_v1709.pdf (letzter Aufruf 01/2026)
- Groos S et al. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Ergebnisse der Disease-Management-Programme in Nordrhein-Westfalen 2021, Tabellenband. 2023. Verfügbar unter: https://www.zi.de/fileadmin/Downloads/Themen/Evaluation/qsb/QSB21NRW_Tabellenband_neu.pdf (letzter Aufruf 01/2026)
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