Nur rund 20 % der kardiovaskulären (CV) Hochrisikopatient:innen in Deutschland erreichen die ESC LDL-C-Zielwerte. Hausärzt:innen stehen im Zentrum der Versorgung und können diesen Status quo durchbrechen. Doch welche Strategien ermöglichen es, die Therapieziele leitliniengerecht, wirtschaftlich und vor allem frühzeitig zu realisieren?
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über:
- Die Diskrepanz zwischen den LDL-C-Zielwerten gemäß Leitlinien und der tatsächlichen Versorgungsrealität in Deutschland
- Welche zentrale Rolle Hausärzt:innen in der LDL-C-Zielwertstrategie einnehmen.
- Wieso nicht nur die Zielwerterreichung an sich, sondern auch deren Zeitpunkt entscheidend sein kann
- Warum eine frühe Kombination zur LDL-C-Zielwerterreichung einer kleinschrittigen Therapieintensivierung überlegen ist
- Welche evidenzbasierten Optionen zur LDL-C-Senkung bestehen durch Integration oraler Add-on-Therapien
LDL-C-Zielwerte: Zwischen Anspruch und Realität
Die Reduktion des LDL-C ist nachweislich einer der wirksamsten Hebel zur Senkung des kardiovaskulären Risikos, wie zahlreiche kardiovaskuläre Endpunktstudien belegen.1–3
Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) geben seit 2019 ein klares Ziel vor: Für Patient:innen mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, beispielsweise nach einem Myokardinfarkt, wird ein LDL-C-Zielwert von < 55 mg/dl (< 1,4 mmol/l) sowie eine mindestens 50-prozentige Reduktion des Ausgangs-LDL-C empfohlen.4
Die Versorgungsrealität in Deutschland zeichnet jedoch ein ernüchterndes Bild. Schätzungen zufolge erreichen lediglich 20 % der Hochrisikopatient:innen die empfohlenen LDL-C-Zielwerte.5 Daraus resultiert eine alarmierende Versorgungslücke von 80 %. Das bedeutet konkret: Bei vier von fünf vulnerablen Patient:innen ist das LDL-C suboptimal eingestellt. Das Risiko für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen ist dadurch unnötig erhöht.
Hier eröffnen sich für die hausärztliche Praxis enorme Möglichkeiten, welche die Versorgung von Herzkreislaufpatient:innen entscheidend verbessern können.
Die zentrale Rolle der Hausarztpraxis im Lipidmanagement
Als erste Anlaufstelle und Vertrauensinstanz im Gesundheitssystem kommt der hausärztlichen Praxis eine entscheidende Bedeutung im Langzeitmanagement von Risikopatient:innen zu. Ihre Verantwortung umfasst nicht nur die Diagnostik und Therapie, sondern auch die Prävention und Patientenführung. Eine der größten Herausforderungen in diesem Prozess ist die asymptomatische Natur der Hypercholesterinämie. Nach einem akuten Ereignis wie einem Herzinfarkt verliert die Dringlichkeit der Therapie häufig rasch an subjektiver Relevanz – mit der Folge einer patientenseitig eigenmächtigen Reduktion oder dem Absetzen der Medikation. Umso wichtiger ist eine strukturierte, kontinuierliche ärztliche Begleitung.
Um dieser anspruchsvollen Steuerungsaufgabe im Praxisalltag gerecht zu werden, bedarf es strukturierter Prozesse. Hier erweist sich beispielsweise das Disease-Management-Programm für die Koronare Herzkrankheit (DMP-KHK) als ein bewährtes Instrument, wenn Sie mit Ihren Patienten eine Zielwertstrategie vereinbaren und im DMP-KHK entsprechend dokumentieren. Die regelmäßige, quartalsweise Vorstellung der eingeschriebenen Patient:innen ermöglicht eine engmaschige Verlaufskontrolle der Lipidparameter und befähigt zur zeitnahen Therapieanpassung.

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Literatur:
- Baigent C et al. Lancet 2010;376:1670–1681.
- Lincoff AM et al. J Am Coll Cardiol 2024;84:152–162.
- Schubert J et al. Eur Heart J 2024;45:4204–4215.
- Mach F et al. Eur Heart J 2020;41:111–188.
- Stürzebecher PE et al. Dtsch Med Wochenschr 2023;148:55-64.
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