Über 9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland leben mit einem drastisch erhöhten kardiovaskulären Risiko. Die Lipidsenkung ist der Grundpfeiler der kardiovaskulären Prävention, doch die LDL-C-Zielwerte werden in der Praxis oft verfehlt. Was sagt die aktuelle Evidenz und wie können moderne Therapiestrategien helfen, die Versorgungslücke zu schließen?
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über:
- Das Ausmaß des kardiovaskulären Risikos bei über 9 Millionen Patient:innen mit Diabetes in Deutschland.
- Die zentrale Rolle der Lipidsenkung in der multifaktoriellen Risikoreduktion.
- Die Versorgungslücke: Warum die meisten Hochrisikopatient:innen ihre Ziele nicht erreichen.
- Evidenz aus der CLEAR-Outcomes-Studie für eine effektive Lipidsenkung bei Diabetiker:innen.
Die doppelte Herausforderung – Diabetes und kardiovaskuläres Risiko
Typ-2-Diabetes (T2D) ist längst mehr als eine Stoffwechselerkrankung. Er ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor ersten Ranges – und betrifft allein in Deutschland über neun Millionen diagnostizierte Menschen, zuzüglich einer hohen Dunkelziffer.1 Die Erkrankung stellt einen der häufigsten Risikofaktoren für die Entwicklung von atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Patient:innen mit T2D haben ein zwei- bis vierfach höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie koronare Herzkrankheit (KHK) oder zerebrovaskuläre Komplikationen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die Prognose ist entsprechend schwerwiegend: Die Diagnose eines Diabetes mellitus kann die Lebenserwartung um bis zu neun Jahre verkürzen. Darüber hinaus ist nach zehn Jahren manifesten Diabetes das kardiovaskuläre Risiko dieser Patientengruppe vergleichbar mit dem von Patient:innen, die an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) leiden.2
Diese Erkenntnis hat zu einem Umdenken in der Wahrnehmung des T2D geführt: Er wird nicht mehr nur als metabolische Störung, sondern als kardiovaskuläre Risikoerkrankung verstanden. Die LDL-C-Zielwertstrategie für Patient:innen mit Diabetes mellitus ist sowohl in der ESC-Leitlinie Dyslipidämie als auch in der ESC-Leitlinie Diabetes mellitus integriert.3,4
LDL-C als Zielparameter
Internationale Leitlinien sind eindeutig: Im kardiovaskulären Risikomanagement von Patient:innen mit T2D ist LDL-C ebenfalls therapeutischer Zielparameter. Die ESC-Leitlinie von 2023 zum Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetes4 stuft alle Betroffenen mit bereits bestehender kardiovaskulärer Erkrankung oder Organschäden – etwa Albuminurie oder einer eGFR < 45 ml/min/1,73 m² – in die Kategorie „sehr hohes Risiko“ ein. Zudem zählen Patient:innen mit einem SCORE2-Diabetes-berechneten 10-Jahres-Risiko ≥ 20 % zu dieser Kategorie.4 Gemäß DDG-Gesundheitsbericht 20251 fallen über 70 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland in die Risikokategorie „sehr hohes Risiko“, für die ein LDL-C-Zielwert von unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) gilt. Patient:innen mit T2D und einem 10-Jahres-CVD-Risiko zwischen 10 % und 20 % gemäß SCORE2-Diabetes werden als hohes Risiko kategorisiert und sollten einen LDL-C-Zielwertvon< 70 mg/dl (1,8 mmol/l) erreichen.4
Jede Absenkung um 1 mmol/l (ca. 38,7 mg/dl) senkt hierbei das relative Risiko kardiovaskulärer Ereignisse um 22 % – unabhängig vom Ausgangswert.5 Das macht die LDL-C-Kontrolle zu einem der wirksamsten Präventionshebel überhaupt.

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Literatur:
- Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. Gesundheitsbericht Diabetes 2025.
- Brandts J. Aktuelle Kardiologie 2024;13:271–276.
- Mach F et al. Eur Heart J 2020;41(1):111–188.
- Marx N et al. Eur Heart J 2023;44:4043–4140.
- Mihaylova B et al. Lancet Lond. Engl. 2012; 380:581-590
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