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  • Darstellung eines aufgeschnittenen Blutgefäßes mit roten Blutkörperchen

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Atherosklerose und ihre Folgeerkrankungen verlaufen häufig lange asymptomatisch. Versorgungsmedizinischen Untersuchungen zufolge bleiben Risikofaktoren oft unerkannt.1 In der deutschen erwachsenen Allgemeinbevölkerung (18–79 Jahre) leben etwa 2 von 3 Menschen mit einer Fettstoffwechselstörung (Gesamtcholesterin > 190 mg/dl bzw. > 4,9 mmol/l oder ärztliche Diagnose).2 Die Früherkennung und Einschätzung des individuellen Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen ist daher entscheidend, um das Auftreten von Ereignissen zu verhindern.1 

Welche Risikofaktoren sind zu berücksichtigen?

Beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren spielen für die Pathogenese der Atherosklerose und somit für kardiovaskuläre Erkrankungen eine essenzielle Rolle. Folgende Faktoren sind nicht beeinflussbar, aber für die Gesamtrisikoabschätzung relevant:1

  • Lebensalter
  • Geschlecht
  • Familiäre Disposition (insbesondere vorzeitige Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Angehörigen ersten Grades)
  • Genetische Prädisposition, z. B. familiäre Hypercholesterinämie (FH)

Die folgenden modifizierbaren Risikofaktoren sind für ca. 80 % aller kardiovaskulären Erkrankungen verantwortlich:1

  • Arterielle Hypertonie
  • Hypercholesterinämie/Dys­lipidämie
  • Diabetes mellitus
  • Adipositas
  • Tabakrauchen
  • Bewegungsmangel
  • Hyperurikämie
  • Niereninsuffizienz

Aber auch psychische Erkrankungen, wie Depressionen oder psychosozialer Stress können das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.1

Über die klassischen modifizierbaren Risikofaktoren hinaus identifizieren die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) sowie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) weitere Faktoren, die das individuelle kardiovaskuläre Risiko relevant steigern können und bei der Risikoeinschätzung berücksichtigt werden sollten:3,4

  • Ethnische Zugehörigkeit (z. B. südasiatische Herkunft) 
  • Vorzeitige Menopause in der Vorgeschichte
  • Präeklampsie oder andere hypertensive Schwangerschaftserkrankungen in der Anamnese
  • HIV-Infektion
  • Obstruktive Schlafapnoe 
  • Lipoprotein(a) > 50 mg/dl (105 nmol/l): Eigenständiger, risikosteigernder Faktor bei allen Erwachsenen. Da Lp(a) zu mehr als 90 % genetisch determiniert ist, reicht eine einmalige Messung im Laufe des Lebens
  • Anhaltend erhöhte hs-CRP-Werte (> 2mg/l)
  • Erhöhter koronarer Kalzium-Score (CAC-Score): Risikomodifikator bei moderatem Grundrisiko; ein CAC > 300 ist vergleichbar mit klinisch bekannter ASCVD

Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen1,3,4

Erhöhte Cholesterinwerte bzw. eine Hypercholesterinämie stellen einen wesentlichen, modifizierbaren Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen dar. Patient:innen mit familiärer Hypercholesterinämie zählen sogar bereits ohne Vorliegen weiterer Risikofaktoren zur höchsten Risikokategorie.3,4

Trotz des allgemein bekannten Risikos hoher Cholesterinwerte sind diese, im Vergleich zu Menschen, die als Jäger:innen und Sammler:innen lebten, oder im Vergleich zu nichtmenschlichen Primaten, erhöht, vor allem in der westlichen Bevölkerung.5

LDL-Cholesterin5

(typische Werte)

Westliche Gesellschaften

100─160 mg/dl

Jäger und Sammler

50–75 mg/dl

Nichtmenschliche Primaten

40–80 mg/dl

Eine schnelle und umfassende Bestimmung des individuellen Risikoprofils ist entscheidend für die Wahl der geeigneten Behandlungstatregie zur kardiovaskulären Risikoreduktion. Zur Bestimmung des Gesamtrisikos wird insbesondere die SCORE2- bzw. SCORE2-OP-Methode der ESC herangezogen.6,7

Die systematische Erfassung von modifizierbaren Risikofaktoren bildet die Grundlage der kardiovaskulären Prävention. Eine erweiterte Betrachtung aller modifizierbaren und nicht modifizierbaren Faktoren ermöglicht eine differenziertere Risikoeinschätzung.


Abkürzungen

ASCVD: atherosklerotische Herz-Kreislauferkrankung; CAC: Koronararterienkalk; DGK: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie; ESC: European Society of Cardiology; hs-CRP: hochsensitives C-reaktives Protein; LDL-C: Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin; SCORE2: Systematic Coronary Risk Estimation 2; SCORE2-OP: SCORE2 für ältere Personen (OP: Older Persons).

Referenzen:

  1. Prochaska JH et al. Herz. 2018;43(1):87–100.
  2. Scheidt-Nave C et al. Bundesgesundheitsbl. 2013;56:661–667.
  3. Mach F et al. Eur Heart J. 2025;00(1):1–20.
  4. Laufs U et al. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. Dyslipidämien. Focused Update der 2019 Leitlinien für das Management von Dyslipidämien. Version 2025. Abrufbar unter: herzmedizin.de/fuer-aerzte-und-fachpersonal/dgk/leitlinien/leitlinien-katalog/pocket-leitlinie-dyslipidaemien-focused-update-2025 (letzter Zugriff: April 2026).
  5. Wadhera RK et al. J Clin Lipidol. 2016;10:472–489.
  6. SCORE2 working party & ESC Cardiovascular risk collaboration. Eur Heart J. 2021;42(25):2439–2454.
  7. SCORE2-OP working group & ESC Cardiovascular risk collaboration. Eur Heart J 2021;42(25):2455–2467.